Piz Quattervals (3165m), Piz Sesvenna (3204m), Piz Lischana (3105m)

3 Pizen in 6 Tagen, by Monika

Berge kann man tatsächlich nicht nur im Winter besteigen, so standen diese Sommerferien für einmal ganz im Zeichen der Bündner Gipfel, die schon lange einmal entdeckt werden wollten. Der höchstgelegene und als einzige im Nationalpark besteigbare Berg lockte genauso, wie zwei der höchsten Gipfel der Sesvennagruppe, der Sesvenna persönlich und der Piz Lischana der oberhalb Scoul als kleiner, unscheinbarer Gipfel tront.

Aber der Reihe nach; Die Beschreibungen dieser Berge sind ja immer sehr unterschiedlich und man muss sich sein eigenes Bild von deren «Schwierigkeit» machen. Beim Quattervals waren wir uns lange Zeit nicht sicher ob Seil oder kein Seil, ob Steigeisen oder barfuss… Am Ende kamen Helm, dazu ein paar feste Bergschuhe zum Einsatz und das reichte auch. Das schwierigste Stück war nicht etwa die Kletterei über das Felsband im oberen Teil, sondern die steile Schuttflanke am Fuss des Berges. Zwei Schritte vor, einer zurück. Die anschliessende Kraxelei an und auf festem Fels war im Gegensatz dazu ein Genuss, da hatte man wenigstens guten Halt, ebenso die Gratwanderung zum Gipfel, wenn man auch den Pfad etwas suchen musste. Auf dem Gipfel grüsste uns Poseidon, oder wohl eher das, was von ihm übrigblieb als alles noch unter Wasser stand? Ein Dreizack als Gipfelkreuz!

Die Begeisterung über die erfolgreiche und nicht ganz unanstrengende Besteigung wich der Bestürzung, dass der Mann das Brot vergessen hatte. Somit gab es “low carb” zum Mittagessen. Immerhin lagen wir damit voll im Trend.
Der Abstieg nach einem verdienten Powernap war dann etwas einfacher als vorgestellt, zwar auch wieder etwas schuttig und steil im oberen Teil, dafür war es unten zunehmend gut fahrbar. 😊
Erschöpft und erleichtert kehrten wir nach rund sieben Stunden zu unserem Ausgangspunkt, der Cloazza Hütte (Anmerkung an die Redaktion; Dies ist keine SAC sondern lediglich eine Pro Natura Hütte) zurück und konnten unsere Enttäuschung nur schwer verbergen, dass der hausgemachte Kuchen bereits vom Tagestourismus aufgefuttert war.

auf der Suche nach dem Weg
Gipfelzack
low carb auf high peak

Den Piz Sesvenna nahmen wir von S-Charl aus in Angriff. Die ersten 300 Höhenmeter zur Alp Sesvenna mit dem Bike, anschliessend ca. 7 km zu Fuss durch das wunderschöne Val S-Charl bis zum Fuss des Gletschers. Dort erübrigte sich die Frage nach Seil, Steigeisen und Pickel, denn auf das Innere von Gletscherspalten hatten wir beide keine Lust. Die grobe Blockkletterei über den Grat zum Gipfel – direkt im Anschluss an den Gletscher – war ein richtiges Highlight, so ganz nach unserem Geschmack. On top zwar nicht mehr ganz so wolkenlos wie noch ein paar Tage zuvor aber immer noch eine schöne Weitsicht vom Silvretta über Bernina bis zum Ortler. Nach dem Abstieg dann noch eine kurze Schrecksekunde, Andi hat sein Handy auf dem Gletscher verloren, also noch einmal munter, Gletscher hoch – Gletscher runter… 🙂

Handy noch da, alles gut
so lieben wir das
Gipfel-Südsicht Italien
Es lockt bereits die Sesvennahütte

Der letzte in der Reihe, der Piz Lischana war vom Equipment her sicher der einfachste, dafür war der lange Grat zum Gipfel ausgesetzt, nichts für Höhenängstliche. Der Zustieg erfolgte von der Lischanahütte und in gut zwei Stunden hatten wir den provisorischen Gipfel erreicht. Das Original und der höchste Punkt dürfen seit einem Felssturz (2000 Kubikmeter Fels) im Jahr 2011 nicht mehr bestiegen werden. Die Aussicht war trotzdem atemberaubend, der Blick 1800m in die Tiefe bis zum Scuoler Talboden – ehrfürchtig.

Lischanagrat
Rechts vom Gipfelkopf ist ein Stück abgebrochen
Blick ins Unterengadin


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