Pizzo Tambo (3279m)

Blut geleckt – oder der Beginn einer Leidenschaft

Pfingstsonntag 1987. Als Dank dafür, dass ich ihren Sohn aus einer lebensbedrohlichen Situation geborgen habe, lädt mich ein Skitourenpaar aus dem Nachbardorf auf eine Ski- bzw. Snowboardtour ein.  Ich darf die selbstgebauten Kurzski meines Freundes benutzen, welcher zu dem Zeitpunkt noch in der Reha ist. Als 16-jähriger Skiliftfahrer weiss ich damals noch nicht, wohin die Reise geht. Ich werde also frühmorgens zu Unzeiten von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen und wenig später abgeholt. Mit dem roten Golf gehts nach Splügen und weiter bis zum Schweizer Zollhaus auf dem Splügenpass. Hier beginnt das Abenteuer und der Startschuss für meine Leidenschaft zu den Bergen fällt wohl in diesem Augenblick. Die Lifte haben längst ihren Betrieb eingestellt und meine Snowboardsaison ist zu Ende. Nun laufe ich hier langsam mit aufgeklebten Fellen an den Kurzskis hartgefrorene Firnfelder hinauf, einem Unbekannten Ziel entgegen. Keine Ahnung, wie lange wir unterwegs sein werden. Und warum eigentlich zu dieser Herrgottsfrühe??? Während des Aufstiegs bleibt mir viel Zeit, um das geniale Abfahrtsgelände zu studieren. Das wird ja ein Spass 🙂
Wahrscheinlich knappe 3 Stunden später erreichen wir das Skidepot und erklimmen kurze Zeit später den Pizzo Tambo. Es ist für mich ein unbeschreibliches Gefühl, welches mich sofort in den Bann zieht. Schmeckt irgendwie nach mehr. Ich erhalte eine kleine Lektion in Gipfelkunde, die Namen werde ich aber bald wieder bergessen haben, das Interesse für die Gipfel wird erst später wieder so richtig entflammen. Denn ich bin in diesem Moment einfach zu heiss auf die Abfahrt. Die kräftige Juni-Sonne hat in der Zwischenzeit die Hänge auf perfekte Betriebstemperatur aufgesulzt. Das schweizerisch-italienische Grenzgebiet verwandelt sich in einen riesigen Funpark. Zum Schluss springe ich in meinem jugendlichen Übermut vor den Augen der schweizer Grenzwächter über die Passstrasse in die übriggebliebenen Altschneereste und hänge noch ein paar Turns an. Weiter unten warte ich auf meine beiden Tourenleiter.

Ich bin definitiv infiziert! Zuhause mache ich mich sofort mit der Stichsäge an meine alten Skis. Ich versuche sogar ein Scharnier aus dem Do-it einzubauen, um noch ein geringeres Packmass auf dem Rucksack zu erreichen. Meine Handwerkskünste reichen jedoch nicht und ich schaffe mir mein erstes Paar Schneeschuhe an. Damit werde ich in den kommenden Jahren meine ersten Erfahrungen mit Snowboardtouren sammeln. 2006 habe ich genug davon und steige auf Tourenskis um, welche mir abrupt völlig neue Welten erreichbar machen.

An Pfingsten 1987 fand am Pizzo Tambo quasi der Urknall für ufwaerts.ch statt!

 

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